Wissensicherung als Wettbewerbsvorteil:
Wie Unternehmen menschliche Erfahrung in digitale Prozesse überführen
Erfahrene Fachkräfte sind das wertvollste Kapital von Industrieunternehmen – doch mit ihrem Ruhestand droht kritisches Wissen verloren zu gehen. Friedrich Steininger, Geschäftsführer der DE software & control GmbH, hat sich dieser Herausforderung gestellt: „Wir können den demografischen Wandel nicht aufhalten. Aber wir können verhindern, dass mit jeder ausscheidenden Fachkraft auch ihr Erfahrungswissen verloren geht.“
Das zentrale Problem liegt nicht in fehlender Dokumentation, sondern in deren Grenzen. Während Arbeitsanweisungen und Qualitätsmanagement-Handbücher beschreiben wie Prozesse ablaufen, zeigen sie nicht warum erfahrene Mitarbeitende in komplexen Situationen genau so handeln. Dieses implizite Entscheidungswissen – die Mustererkennung, das Kontextverständnis, die Fähigkeit, Abweichungen zu handhaben – macht Produktionsprozesse resilient und qualitativ hochwertig.
Von implizitem zu explizitem Wissen
Das Projekt BoomerZ transformiert diesen Ansatz grundlegend. Statt Wissen erst kurz vor dem Ruhestand zu dokumentieren, wird es während der täglichen Arbeit sichtbar gemacht. Erfahrene Mitarbeitende werden begleitet, ihre Arbeitsschritte dokumentiert und ihre Entscheidungslogik gezielt erschlossen. Mit KI-gestützter Strukturierung entsteht aus individuellem Erfahrungswissen ein gemeinsamer, systematischer Wissensbestand – aufbereitet, nachvollziehbar und für andere Mitarbeitende nutzbar.
Mit der Plattform DE-instruct werden auch (Handy-)Videos zu digitalen Arbeitsanweisungen, die durch Instant-Übersetzung in jeder Sprache verfügbar sind und nahtlos in bestehende Softwarestrukturen integriert werden können.
Wissen am Ort der Entscheidung
Entscheidend für den praktischen Erfolg ist die unmittelbare Verfügbarkeit von Wissen. Intelligente Werkerassistenzsysteme wie workstAItion 5.0 greifen auf den aufgebauten Wissensbestand zu und stellen Mitarbeitenden kontextbezogen genau die Informationen bereit, die sie für ihre aktuelle Aufgabe benötigen. Erfahrungen, Hintergrundwissen und Entscheidungshilfen ergänzen damit Standardarbeitsanweisungen – und fließen gleichzeitig durch Erkenntnisse aus der Praxis wieder in den Wissensbestand zurück.
Die Auswirkungen reichen weit über den bloßen Wissenstransfer hinaus: Schnellere Onboarding-Prozesse, entlastete Experten, steigende Prozessqualität und erhöhte Unternehmensresilienz.
KI als Enabler, nicht als Replacement
Steininger betont einen wichtigen Punkt: KI ersetzt nicht menschliche Erfahrung – sie macht sie verfügbar. Der Wettbewerbsvorteil der Zukunft liegt nicht allein in der Digitalisierung von Maschinen, sondern in der systematischen Sicherung und Zugänglichkeit menschlicher Erfahrung. Erst wenn aus individuellem Erfahrungswissen gemeinsames Prozesswissen wird, können Menschen, digitale Assistenzsysteme und Künstliche Intelligenz ihr Potenzial gemeinsam entfalten.
Hier können Sie den Artikel lesen: Wie aus Erfahrungswissen nutzbares Prozesswissen wird